Baille Maille Lindenallee - Die Geschichte

Baille-Maille - ein vergessener Freizeitsport

Heute habe ich sehnlichst gewünscht, Eure Hoheit wären auf der Spielbahn dabei gewesen, wo Ihr ungeheuerliche Schläge hättet sehen können ... "

Dies ist ein Bericht über eine moderne Golfpartie; die Erfolgsmeldung stammt aus dem 16. Jahrhundert. Damals spielte man in Mitteleuropa mit der gleichen Begeisterung Baille-Maille, auch Pallamaglia oder ähnlich genannt - meist allerdings nur kurz „MaiI". Der stolze Spieler von 1575 war übrigens kein geringerer als der Komponist Orlando di Lasso, und

„Eure Hoheheit war der spätere Bayernherzog Wilhelm V., auch der fasziniert von Baille-Maille.

 

Seit dem späten Mittelalter wurde das Maille-Spiel, das am ehesten mit dem heutigen Croquet zu vergleichen ist, in den meisten Residenzen und Reichsstädten gespielt, gleichermaßen beliebt beim Adel wie den Patriziern. Ob reiche Handelsherren, Fürsten oder Rokokodamen - alle waren begeistert beim „Ballschlagen." Gespielt wurde mitunter um enorme Geldsummen, was schließlich zu Verboten führte. Zwar scheinen die Einsatze daraufhin zurückgegangen zu sein, doch die Freude am Mail belieb ungebrochen - bis ins beginnende 19. Jahrhundert.

 

Gespielt wurde auf speziellen Mailbahnen. die mit feinem Sand bedeckt und meist von Schatten spendenden Blumen - vorzugsweise Linden - eingesäumt waren. Einige dieser Bahnen haben sich als Alleen erhalten, etwa der über 500 Meter lange „Lindendom" im Hofgarten von Ansbach. Die meisten überflüssig gewordenen Spielbahn-Alleen hat man jedoch abgeholzt. Vereinzelt weisen noch Straßennamen auf die ehemaligen Mail­Bahnen hin - so in Paris, in London, in Hamburg, Karlsruhe oder Esslingen. Londons prächtige Pall Mall wurde sogar Namen gebend für die weltweit aus dem Boden gestampften Malls. Doch wer weiß heute, dass die modernen Einkaufszentren ihren Namen von einem ehemaligen königlichen Spielplatz vor den Toren des Buckingham Palace erhalten haben?

 

Cornelia Oelwein verfolgte die Spuren einer einst so beliebten, heute jedoch in Vergessenheit geratenen Freizeitbeschäftigung.

Wie die Historikerin mitteilte, wird die Baille-Maille-Lindenallee und damit das Maille-Spiel in Himmelkron in der
Sendung ausführlich erwähnt. Gesendet auf Bayern 2, 26. Juni 2005. Bericht von Cornelia Oelwein 

  Weitere Kurzerklärung:
  Das Mailspiel, zu Deutsch Kolben- oder Laufspiel, das entfernt an das in England verbreitete Crocket erinnert,
  gab der Allee ihren Namen. Als „Kopie" aus Versailles wurde dieses höfische Freizeitvergnügen damals nicht
  nur in Frankreich, England und Italien, sondern auch in Deutschland gespielt. Auch in der Eremitage in Bayreuth
  gab es einmal eine derartige Anlage.

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Förderkreis zur Erhaltung und Verschönerung der Kulturlandschaft im Bereich der Gemeinde Himmelkron